VORTMEYER und das PRIVATE

Interview

Herr Bürgermeister Vortmeyer, Sie haben dieses Jahr Ihren 60. Geburtstag gefeiert. Fühlen Sie sich fit für eine weitere Runde?

Schauen Sie mich an und beurteilen Sie selbst. Natürlich fühle ich mich topfit. Ich jogge oder radle gerne früh morgens durch unsere Gemeinde, das hält mich körperlich fit, die Ausübung des Bürgermeisteramtes hält mich geistig fit. Und umgekehrt. 60 ist heutzutage wirklich noch kein Alter, wenn man gesund und aktiv lebt.

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Wieso haben Sie sich für eine weitere Amtszeit entschieden? Haben Sie noch nicht alles erreicht, was Sie sich vorgenommen hatten?

Das kann ich ganz kurz beantworten. Ich habe noch viel vor! Wir haben in den vergangenen Jahren viel vollbracht und manches angestoßen. Hier will ich am Ball bleiben und die begonnenen Projekte zum Wohle der Menschen und des Ortes weiterentwickeln

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Ihre aktuelle Amtszeit geht ja eigentlich bis 2015. Wieso haben Sie sich entschieden bereits 2014 wieder anzutreten?

Diese zugegeben merkwürdige Möglichkeit wurde vom Landtag eingeräumt, da die Landesregierung das zeitliche Auseinanderfallen von Rats- und Bürgermeisterwahlen schnellstmöglichst wieder aufheben wollte. Man kann in der Sache dazu stehen wie man will, aber die beschlossene Regelung wird erst mal zu einem Flickenteppich in NRW führen. In rund der Hälfte der Städte und Gemeinden wird die Bürgermeisterwahl in 2014, in der anderen Hälfte in 2015 stattfinden. Das ist sicherlich etwas unglücklich. Ich persönlich habe lange dazu tendiert die Amtsdauer voll zu erfüllen und mich 2015 zur Wiederwahl zu stellen. Doch die endgültige Entscheidung habe ich mit Blick auf die Handlungsfähigkeit der Gemeinde Rödinghausen getroffen. Zwei getrennte Wahlen in zwei aufeinanderfolgenden Jahren hätten wahrscheinlich eine Art Dauerwahlkampf bedeutet. Das hätte die Handlungsfähigkeit der Gemeinde eingeschränkt, daher habe ich mich dafür entschieden, bereits in 2014 erneut zu kandidieren und um das Vertrauen der Wählerinnen und Wähler zu bitten. Natürlich nach Rücksprache mit Freunden, Weggefährten und vor allem auch meiner Familie.

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Man sieht Sie häufig in Begleitung Ihrer Frau, seltener zusammen mit Ihren Kindern. Hat solch ein Vollblut-Bürgermeister überhaupt Zeit für seine Familie?

Ich gestehe, ich würde gerne mehr Zeit mit meinen Lieben verbringen. Doch wir haben alle gelernt mit dem Amt zu leben. Insofern ist es eine Bürde, in vielerlei anderer Hinsicht aber auch eine Bereicherung für uns alle. Dass mich meine Frau häufig begleitet, versteht sich. Wir leben bald seit vier Jahrzehnten zusammen. Da ist man gemeinsam durch Dick und Dünn gegangen. Das verbindet, Waltraud ist meine schärfste Kritikerin und meine wichtigste Beraterin. Und dass die Kinder nicht mehr so oft da sind, liegt in der Natur der Sache. Caren ist jetzt 26 und absolviert ihr Rechtsrefendariat in Hannover. Bengt ist 24, hat seinen Bachelor abgeschlossen und befindet sich im Masterstudium in Paderborn. Doch ich bin zufrieden, sie besuchen uns häufig, legen Hand an, wenn am Haus etwas gemacht werden muss und beteiligen uns Eltern an ihrem Leben.

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Eigentlich sieht man Sie zu jeder Jahreszeit und bei jeder Gelegenheit irgendwo im Ort. Meist heftig beschäftigt und „unter Strom“. Oft im Gespräch mit jeder und jedem. Brauchen nicht auch Sie mal eine Auszeit?

Ja, ich bin wohl sehr diszipliniert. Der Kontakt mit den Menschen ist mir wichtig. Vor allem freue ich mich, wenn jemand ein Anliegen an mich heranträgt und ich weiterhelfen kann. Ansonsten geht es mir vermutlich wie den meisten Menschen, die feste arbeiten. Ich freue mich auf Urlaubstage. Es sind halt nicht so viele, vor allem nicht am Stück. Wir reisen auch nicht mehr in der Welt herum. Bekanntlich hat es mir das Lesachtal in Kärnten angetan. Ein paar Tage Wandern im Frühjahr oder Sommer, ein paar Tage Skifahren im Winter, mehr ist derzeit nicht drin. Andererseits sehe ich mir früh morgens beim Laufen oder Radfahren unser Rödinghausen immer wieder mit anderen Augen an und denke mir, wie schön es hier ist und wie wohl ich mich hierfühle. Dann bin ich versöhnt und zufrieden und die eingeschränkten Urlaube kann ich hinnehmen.

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Ihre Liebe zu Rödinghausen haben Sie oft eingestanden. Sind Sie eigentlich hier geboren? Was macht den Ort für Sie so reizvoll?

Ich bin in Lübbecke geboren, aber in Rödinghausen aufgewachsen und nie fortgegangen. Das Grundstück in Schwenningdorf gehörte meinen Eltern, das Haus habe ich 1980 selbst gebaut. Die Schönheit des Ortes ist vor allem jetzt im Frühjahr zu bewundern. Überall blüht und grünt es, der Anblick des Wiehengebirges ist ein einzigartiger Genuss! Durchquere ich die Ortsteile, sehe ich einen lebendigen und aufstrebenden Ort, in dem die Menschen gerne wohnen und arbeiten. Ich betrachte eine „Wohlfühlgemeinde“, in der sich in den letzten Jahren sehr viel getan hat und die sich immer weiter entwickeln wird. Ich spreche mit Menschen, die freundlich und aufgeschlossen sind. Hilfsbereitschaft wird bei uns großgeschrieben. Man fühlt sich einfach zuhause, es ist die Heimat.

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Sie waren bereits in jungen Jahren politisch aktiv. Hätte Sie nicht auch eine Karriere als Landes- oder Bundespolitiker gereizt?

Ich bin in der Tat sehr jung in den 1970ern auf die SPD gestoßen, weil Willy Brandt mich begeistert hat. Doch aus Rödinghausen wegzugehen, war nie eine Option. Deswegen waren Düsseldorf und Bonn, später Berlin, zwar immer wichtig, aber nie eine Alternative zu Rödinghausen. Ich habe in meiner Zeit als Bürgermeister Kollegen kennengelernt, denen ging es um das Amt. Es war ihnen völlig egal, wo sie kandidieren, Hauptsache sie konnten irgendwo Bürgermeister werden. Ich habe das nie richtig verstanden, wie das gehen kann. Mir ist Rödinghausen eine Herzensangelegenheit. Über die Jahre habe ich mich in verschiedenen heimischen Vereinen ehrenamtlich engagiert. Die Entwicklung meiner Heimatgemeinde wollte ich immer mitgestalten, nie wollte ich das Amt des Amtes wegen! Ich war viele Jahre Ratsmitglied und später zunächst 1. Stellvertretender Bürgermeister. Seit 2004 haben mir die Rödinghauserinnen und Rödinghauser zweimal das Vertrauen ausgesprochen und mich zu ihrem Bürgermeister gewählt. Das macht mich stolz und ich bin dankbar.

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Ihre Leidenschaft für Ihre Heimatgemeinde ist groß, das spürt man. Da bleibt nur noch Ihnen viel Kraft, Audauer und Erfolg für die nächste Amtszeit zu wünschen! Vielen Dank für das Gespräch.