VORTMEYER und die FAMILIENGERECHTIGKEIT

Interview

Herr Bürgermeister Vortmeyer, die wirtschaftliche Entwicklung Rödinghausens wird von vielen gelobt. Sie hatten dieses Thema von Anfang an zur Chefsache gemacht. Rückt das Soziale beim Sozialdemokraten Vortmeyer nicht dadurch in den Hintergrund?

Natürlich nicht! In meinem Leben habe ich soziale Hürden und Ungerechtigkeiten überwinden, ja sogar bekämpfen müssen. Demokratie ohne Sozial geht nicht, Wirtschaft ohne Sozial geht nicht, Gemeinde ohne Sozial geht nicht – davon war ich immer überzeugt. In meinem Wirken als Bürgermeister stand und steht die soziale Komponente immer ganz oben. Es ist kein Zufall, dass wir beispielsweise die Familiengerechtigkeit in Rödinghausen zum Top-Thema gemacht haben.

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Wie kann eine Gemeinde „familiengerecht“ sein?

Grundsätzlich dadurch, dass bei allen von Bürgermeister, Verwaltung und Rat zu treffenden Entscheidungen immer auch geprüft werden muss, ob die geplante Maßnahme familienverträglich ist, also im Ergebnis den Menschen und Familien zugutekommt. Aber natürlich müssen Familien auch direkte Angebote gemacht werden. Ich will mal ein Beispiel nennen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ein wesentliches Ziel. Die Möglichkeiten der Kinderbetreuung spielen dabei eine wichtige Rolle. Ob und wie vielen Eltern bzw. ihren Sprösslingen Kindertageseinrichtungen für unter Dreijährige angeboten werden oder wie groß das Betreuungsangebot an den Grundschulen ist, sind gemeindliche Angelegenheiten, die wir in den Vordergrund gestellt haben. Derzeit nimmt ein sehr großer Teil der Rödinghauser Familien mit Grundschulkindern unsere Betreuungsangebote bzw. den offenen Ganztag in Anspruch. Eine tolle Entwicklung. Das ist kommunale Sozialpolitik.

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Das klingt überzeugend. Doch kann kommunale Sozialpolitik nicht mehr leisten?

Selbstverständlich. Wir zeigen in Rödinghausen, dass das geht. Welche Bildungschancen wir unseren Kindern bieten, welche Freiräume Jugendliche nutzen können, um sich zu verwirklichen, wie die Menschen in der Gemeinde wohnen, welche Freizeit- und Sportmöglichkeiten sie haben, wie die Versorgung im Gesundheitsbereich ist, wie wir auf die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen eingehen, wie wir Mitbürgerinnen und Mitbürgern mit Migrationshintergrund integrieren, wie wir den speziellen Anforderungen von Seniorinnen und Senioren gerecht werden – all das dient der Idee eine soziale und gerechte Gemeinde zu verwirklichen. Die Facetten kommunaler Sozialpolitik sind sehr vielfältig. Einen schönen Überblick gibt da übrigens unser Familienatlas, den wir im vergangenen Jahr bereits in 3. Auflage veröffentlicht haben.

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Sie sprechen die Bildungschancen an. Bildungspolitik ist doch klassisch eine Angelegenheit des Landes. Wie können Sie als Bürgermeister Einfluss hierauf nehmen?

Korrekt ist, dass die grundlegenden Weichen der Bildungspolitik in Berlin oder v. a. in Düsseldorf gestellt werden. Doch die Gemeinden haben natürlich Gestaltungsmöglichkeiten. Wir wenden beispielsweise jährlich rund 2,5 Millionen Euro für Betreuung und Bildung auf. In fünf Kindertagesstätten, zwei Grundschulverbünden und der Gesamtschule werden unsere jüngsten Gemeindemitglieder auf ihr weiteres Leben vorbereitet. Die Grundschule Bruchmühlen haben wir erweitert. Mit der Investition von 320.000 Euro haben wir in nur fünf Monaten Bauzeit rund 110 m² Nutzfläche geschaffen. Faktisch ist ein Zentrum für Bildung, Jugend, Sport und Kultur entstanden, das seinesgleichen sucht. Lassen Sie mich aber bitte noch ein anderes Beispiel nennen. 2012 haben wir mit unserem „Bildungs- und Teilhabepaket“ ein Programm für Kinder- und Jugendliche aus einkommensschwachen Familien aufgelegt, das eine finanzielle Unterstützung bis zu 120 Euro pro Kind, z.B. für Schulmaterial, Klassenfahrten, Mittagessen u. ä. m., ermöglicht. Das ist real praktizierte Familiengerechtigkeit.

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Werden Ihre Bemühungen in Sachen „Familiengerechtigkeit“ bei den Rödinghauserinnen und Rödinghauser anerkannt?

Das muss jede und jeder für sich entscheiden. Sicherlich gibt es viele, die diese Herangehensweise honorieren, manche würden vielleicht lieber andere Schwerpunkte setzen. Allerdings freue ich mich natürlich darüber, dass sich aus der Familienbefragung aus 2012 ergibt, dass 60 % der Rödinghauser Familien der Gemeinde eine hohe Familienfreundlichkeit bestätigen. Außerdem is t die Gemeinde Rödinghausen 2010 eine der ersten acht Kommunen in Nordrhein-Westfalen gewesen, die mit dem Zertifikat „Audit familiengerechte Kommune“ ausgezeichnet worden ist. Hier wollen wir jetzt an die Re-Auditierung herangehen.

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Da ist also schon viel passiert, in dieser Hinsicht. Haben Sie auch konkrete Pläne was Sie in den nächsten Jahren als Bürgermeister sozialpolitisch im Sinne der erwähnten „Familiengerechtigkeit“ anpacken wollen?

Wir wollen etwas für die Wohnsituation von Familien tun. Das Programm „Jung kauft Alt“ werden wir ausbauen. Es setzt zwei Ziele, vereinfacht formuliert einerseits den Erhalt alter Bausubstanz und andererseits die Möglichkeit des Eigentumserwerbs durch junge Familien. Dabei geben wir Starthilfe und leisten Unterstützung. Und wir wollen unterhalb der Grundschule Bruchmühlen sowie in weiteren Bereichen unserer Gemeinde Wohnbauflächen ausweisen. Außerdem arbeiten wir, wie gesagt an der Re-Auditierung der „Familiengerechten Kommune“. Dafür wollen wir u. a. Netzwerke für Familien vor Ort festigen und ausbauen, die Kompetenzen der Steuerungsebene stärken, das vernetzte Arbeiten zwischen Verwaltungsresorts fördern, u. ä. m. Schließlich investieren wir weiterhin in den Bildungsstandort. Das Thema „Inklusion“ wird eine wichtige Rolle spielen. Aber auch Bau- und Sanierungsmaßnahmen sind geplant. So sollen die naturwissenschaftlichen Räume an der Gesamtschule Rödinghausen erneuert werden. Geplant ist außerdem der Neubau einer Grundschule in Schwenningdorf, um dem Grundschulverbund Bieren Rödinghausen Perspektive zu geben. Und viele weitere Maßnahmen, damit die konkrete Situation der Rödinghauser Familien weiter verbessert werden kann.

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Herr Bürgermeister Vortmeyer, da kann man Ihnen ja nur viel Erfolg bei der Umsetzung Ihrer Pläne wünschen! Vielen Dank für das Gespräch.