VORTMEYER und die BÜRGERSCHAFT

Interview

Herr Bürgermeister Vortmeyer, heute schmücken sich viele Städte und Gemeinden mit dem Beinamen „Bürgerkommune“. Wäre das nicht auch was für Rödinghausen?

Meines Wissens nehmen heute noch gar nicht so viele das Recht in Anspruch sich als „Bürgerkommune“ zu bezeichnen. Das Problem ist, dass seit vielen Jahren der Begriff im Raum steht, über diesen auch intensiv diskutiert wird, aber keine verbindlichen Richtlinien aufgestellt werden, welche Kriterien erfüllt sein müssen, um diesen Titel zu tragen. Es gibt keine Zertifizierung, von dem vom bayrischen Umweltministerium verliehenen „Gütesiegel Nachhaltige Bürgerkommune“ abgesehen, das allerdings Ökologie und Nachhaltigkeit im Fokus hat. Trotzdem ist das, was allgemein unter „Bürgerkommune“ verstanden wird, ein Konzept von dem wir uns auch in Rödinghausen haben leiten lassen.

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Können Sie das näher erläutern?

Die Idee ist eine neue Beziehung zwischen Bürgerinnen und Bürgern, Gemeinderat und Verwaltung herzustellen. Konkret werden Beteiligungsmöglichkeiten bei gemeinderelevanten Planungen geschaffen. Dabei soll Transparenz Einfluss- und Kontrollmöglichkeiten gewährleisten. "Artikulationsschwache" Bevölkerungsgruppen erhalten optimierte Möglichkeiten sich einzubringen. Nicht mehr von der Gemeinde zu finanzierende Leistungen können von Privaten übernommen werden. Es werden Netzwerke geschaffen oder gefördert, welche die Kreativität und Selbsthilfefähigkeit unterstützen sollen. Und ähnliche Kriterien mehr.

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Das hört sich sehr theoretisch an. Inwiefern haben Sie sich in Rödinghausen an solchen Leitlinien orientiert?

Ich wollte von Anfang an Bürgermeister einer Gemeinde sein, die von ihren Bürgerinnen und Bürgern getragen wird. Wir brauchten also eine bürgernahe Verwaltung. Deshalb haben wir seit 2004 unsere Gemeindeverwaltung modernisiert. Das „Mobile Rathaus“ war eine der ersten Maßnahmen mit dem wir unsere Dienstleistungen näher zu den Bürgerinnen und Bürgern gebracht haben. Seit nunmehr knapp zehn Jahren biete ich vor Ort Bürgersprechstunden an, damit die Menschen den möglichst kurzen Weg zu ihrem Bürgermeister haben, um ihre Probleme und Anliegen zu besprechen. Darüber hinaus gibt es das Dienstleistungsangebot der Verwaltung. Aber auch unser Ideen- und Beschwerdeservice „KümmerKasten“ und seit kurzem auch die Rödinghausen-App fürs Smartphone sollen den Weg zwischen Bürgern und der Verwaltung weiter verkürzen.

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Das „Mobile Rathaus“ ist sicherlich eine bürgernahe Einrichtung. Gibt es Maßnahmen, mit denen Sie die Betroffenen direkt ins Verwaltungshandeln einbezogen haben?

In Rödinghausen engagieren sich die Menschen in besonderem Maße bürgerschaftlich. Es gibt eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten mit dem Ziel Rödinghausen weiter zu entwickeln. Wir haben seinerzeit im Rahmen der Sanierung der ‚Alten Dorfstraße‘ erstmalig vorbildliche Partizipationsmöglichkeiten geschaffen und erfolgreich umgesetzt. Ab da wurden die Betroffenen und Beteiligten immer, wenn möglich, einbezogen. Hervorheben möchte ich die Erstellung der Dorfinnenentwicklungskonzepte Nord und Süd, an der sich zahlreiche Bürgerinnen und Bürger in drei Arbeitsgruppen zu den Aspekten „Soziales“, „Infrastruktur und Gebäude“ sowie „Ökonomie und Ökologie“ aktiv beteiligt haben. Der Mehrgenerationenpark wäre ohne die Diskussionen und Absprachen zwischen der Gemeindeverwaltung und den beteiligten Einrichtungen und Vereinen nicht möglich gewesen. Auch das Miteinander beim Projekt Westkilver Dorf oder beim Rödinghauser Markt-Treff, hat für mich eine große Bedeutung.

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Stichwort Vereine. In Rödinghausen gibt es eine ausgeprägte Vereinslandschaft. Welchen Stellenwert haben die Vereine im Gemeindeleben?

Ich habe mich ja selbst von klein auf in Rödinghauser Vereinen betätigt und engagiert, angefangen in der Jugend des GW Schwenningdorf und dann nach der Fusion mit dem VfR Bieren beim SV Rödinghausen. Später kamen das Deutsche Rote Kreuz und der Dorfverschönerungsverein hinzu. Ich kenne unsere Vereine und weiß um ihre Bedeutung und Relevanz. Vom Sport- bis zum Gesangsverein, von den Landfrauen bis zur freiwilligen Feuerwehr: Alle in Rödinghausen profitieren vom Idealismus und Fleiß ehrenamtlich arbeitender Menschen. Vieles, was unser tägliches Leben bereichert, wird hierdurch erst möglich. Ich will das Ehrenamt weiterhin unterstützen und stärken, so gut es geht.

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Wenn über Vereine gesprochen wird, ist der Sport ganz nah. Wie unterstützen Sie als Bürgermeister die heimische Sportlandschaft?

Der Sport in Rödinghausen ist vielseitig. Die Palette reicht vom Breiten- bis zum Leistungssport. Vom Angeln, Reiten, Handball, Fußball, Tischtennis, Tennis, Kampfsport bis zum Wintersport ist alles dabei was man sich wünscht. Auch der Fußball spielt bei uns eine besondere Rolle. Wir haben in den letzten Jahren hervorragende Sporteinrichtungen geschaffen, unterstützt oder ermöglicht, um die uns viele beneiden. Der Ausbau der Sporthalle Bruchmühlen war ein Gewinn für viele. Neben dem Schulsport wird die Halle bekanntlich auch intensiv für den Vereinssport genutzt. Nach dem Umbau und der Sanierung des „Wiehenparks“ haben wir eine für jedermann zugängliche Einrichtung, die Entspannung, Wellness, Sport- und Freizeitaktivitäten in angenehmer Atmosphäre bietet. Den Rasenplatz „An den Fichten“ in Ostkilver haben wir in eine witterungsunabhängige Trainings- und Spielanlage mit einem hochmodernen Kunstrasenplatz umgewandelt; hier ist jetzt ganzjähriger Betrieb möglich. Das „Häcker-Wiehenstadion“ ist eine Perle in der Region. Als Heimstadion des mittlerweile Oberligisten SV Rödinghausen, aber auch als regelmäßiger Treffpunkt fußballbegeisterter Fans ist diese Einrichtung nicht mehr wegzudenken. Die Entstehungsgeschichte dieses Stadions ist übrigens auch Ausdruck einer Herangehensweise, die in die Kategorie „Bürgerkommune“ fällt. So eine professionelle Sportstätte kann heute nicht mehr alleine von einer Gemeinde gestemmt werden.

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In der Tat drängt sich der Eindruck auf, dass in den letzten Jahren in Rödinghausen viel gebaut wurde, was den Bürgerinnen und Bürgern zugutekommen soll. Mir fällt spontan auch das Feuerwehrgerätehaus in Bieren ein. Findet auch die Feuerwehr Ihre besondere Beachtung?

Ich frage immer: „Wer hilft uns in Notlagen?“. Das sind unsere freiwilligen Helferinnen und Helfer der Feuerwehr Rödinghausen. Sie gewähren uns die Sicherheit, die wir suchen. Insofern ist es wichtig, dass die Feuerwehr gut ausgestattet ist. Daher wurde in diesem Bereich kontinuierlich investiert und in jedem Jahr neue Anschaffungen getätigt. Zuletzt haben wir die Feuerwehr mit einem neuen Löschfahrzeug Katastrophenschutz sowie einem Mehrzweckfahrzeug ausgestattet. Nach der Übergabe des Feuerwehrgerätehauses in Bieren haben wir übrigens auch einen guten Standort für ein neues Feuerwehrgerätehaus im Süden ausgemacht. Da gehen wir gerade ran.

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Herr Bürgermeister Vortmeyer, dann wollen wir mal hoffen, dass wir die gut ausgestattete Feuerwehr niemals brauchen werde! Vielen Dank für das Gespräch.